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Werbung ist ein hartes Geschäft

 

Ganz neue Wege der Akquisition 

 

Von Christa Tamara Kaul  

 

 

Auch und gerade im Anzeigengeschäft herrscht tiefe Rezession, jetzt in den Zeiten knapper Kassen. Um dennoch an das Geld von Inserenten zu kommen, beschreiten viele sogenannte Agenturen und Verlage ganz „neue Wege der Akquisition“. 

 

"Werbung ist ein hartes Geschäft, da geht es oft rüde und schmutzig zu." Mit dieser Kernaussage kommt Ulrich Kindermann, Inhaber und Geschäftsführer der Werbefirma ZAK, in allen Vorstellungsgesprächen mit Stellenbewerberinnen schnell auf den Punkt. Offen, sachlich, überaus charmant und vor allem unmissverständlich legt er die Aufgaben der Damen im sogenannten CallCenter dar. Und im Klartext geht es weiter. „In dieser Branche wird um jeden Auftrag mit harten Bandagen gekämpft, da sind fast alle Mittel recht. Da gibt es Betrug noch und noch, da gibt es schlimme Finger. Wir machen natürlich nichts Kriminelles, das ist klar. Aber, wir setzen schon eindeutig auf die Dummheit der Leute. Wir rechnen mit und leben von der Dummheit der Leute.“

 

Dass sich von dieser Dummheit ganz gut leben lässt, ist offensichtlich. Und ebenso offensichtlich finden sich die Firmeninhaber mit ihrer Verdienstidee ganz toll, die beiden Vettern Ulrich und Dieter Kindermann, beide in den Dreißigern. Gemeinsam haben sie die Werbefirma ZAK mit angeschlossener Druckerei vor rund zehn Jahren in einer rheinischen Kleinstadt sozusagen als Garagenfirma gegründet und mittlerweile gemeinsam zu einem erklecklichen finanziellen Erfolg geführt. Eine goldene Nase für die beiden ist zwar nicht dabei herausgesprungen, noch nicht, aber immerhin: Die Firmenräume sind ansprechend eingerichtet, die ganz überwiegend weibliche Belegschaft gibt sich auffallend zufrieden, und das Renomee der Firmeneigentümer kann mit Karossen der gehobenen Klasse und höher gelegtem Lebensstandard herausgestrichen werden. Und nebenbei sind so, in Werbung und Druckerei zusammen genommen, im Laufe der zehn Jahre immerhin mehr als 30 Arbeitsplätze geschaffen worden.

 

Die Geschäftsidee, die die rund dreißig ZAK-Leute  - und die sind bei weitem keine Ausnahme, kein Einzelfall -  ernährt, ist denkbar schlicht. Aber eben ganz offensichtlich lohnend. Arbeitsgrundlage sind Broschüren, Faltblätter, Landkarten und Stadtpläne, die von Verlagen und sonstigen Unternehmen bzw. Herausgebern unterschiedlichster Art aus ganz Deutschland veröffentlicht worden sind. Diese werden gesammelt und nach geographischen Gebieten geordnet, wobei ganz Deutschland in ein Gebietsnetz eingeteilt wird. Ist genügend Material für eine Region, beispielsweise für die niederrheinische Stadt Neuss oder die Insel Sylt, zusammengekommen, werden alle Inserenten, also Firmen, Vereine, Freiberufler und Privatpersonen, die eine Anzeige in einem der von anderen Firmen ganz offiziell und legal herausgebrachten Stadtplänen, Informationsblättern, Vereinsbroschüren und sonstigen Werbeträgern geschaltet haben, angerufen. Adresse, Telefonnummer und oft auch noch der jeweilige Ansprechpartner stehen ja in den bereits veröffentlichten Anzeigen.

 

Und das klingt dann etwa so: „Schönen guten Tag Herr Tötter, mein Name ist Meier. Ich rufe an wegen des Korrekturabzuges für die Bürger-Info und wollte fragen, ob Sie morgen im Hause sind, um den Text gerade noch einmal auf Druckfehler durchzuschauen.“ Katja Meier intoniert diese schon zig-tausendmal wortgenau am Telefon wiederholten Sätze mit maschineller Präzision. Diese Eingangssequenz wird mit exakt eingeübter Stimmlage und Betonung, einer Mischung aus freundlicher Kaltschnäuzigkeit und unerbittlicher Aufdringlichkeit, immer gleich abgespult, lediglich der Name des Ansprechpartners aktualisiert. Täglich dutzende Mal, solange wie sie in der Firma ZAK-Werbung arbeitet, und das sind bei Katja Meier nun sechs Jahren.

 

Nach dieser ominösen Begrüßung stutzt der angerufene „Kunde“ in der Regel, denn er weiß von nichts, oder richtiger: kann von gar nichts wissen. Er hat nämlich noch nie Kontakt mit dieser sogenannten Werbefirma gehabt, geschweige denn irgend einen Anzeigenauftrag erteilt, der zu dem erwähnten Korrekturabzug hätte führen können. Und jetzt, nach der ersten mehr oder minder verdutzten Kundenreaktion, wird’s spannend, denn nun, nach diesem Prolog steuert wieder eines dieser ungezählten kleinen  Telekommunikationsdramen auf den entscheidenden Punkt zu, der darüber entscheidet, ob die Inszenierung als lukrative Komödie oder finanzielle Tragödie enden wird.  

 

Wie in einem Theaterstück geht es nun mit einer schriftlich genau vorgegebenen Gesprächsdramaturgie weiter ...

 

 

Sämtliche Namen in diesem Beitrag sind geändert, die beschriebenen

 

Personen und Firmen jedoch real. 

 

Ausführliche/r Reportage/Bericht  auf Anfrage

 

 

 

 

© Christa Tamara Kaul