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193.997 freie Stellen im Jobwunderland Großbritannien

 

Die Datenbank "Eures" der Europäischen Kommission soll die Erwerbsmobilität fördern 

 

Von Christa Tamara Kaul  

 

 

Erschienen

am 21.02.2006

bei Telepolis >>>

 

Die Idee ist gut. Nicht zuletzt deshalb, weil die Arbeitslosenzahlen in den meisten Ländern der EU beunruhigend hoch sind und viele Erwerbslose Hände ringend einen Arbeitsplatz suchen. Die gerade verabschiedete Dienstleistungsrichtlinie erhöht die Freizügigkeit Arbeit Suchender innerhalb der Union, und nichts liegt näher, als auch für mehr Transparenz bei Stellenangeboten im gesamten EU-Raum zu sorgen. Womit allen Interessierten der Zugang zu Arbeitsmöglichkeiten außerhalb der jeweils eigenen Landesgrenzen erleichtert wird. 

Eine Datenbank kann eine solche Aufgabe erfüllen. Also richtete die Abteilung „
Beschäftigung und Soziales“ der Europäischen Kommission, die 2006 als „Europäisches Jahr der der Mobilität der Arbeitnehmer“ ausgerufen hatte, lobenswerterweise eine entsprechende Datenbank ein: Eures - EURopean Employment Services. Eures ist angelegt als „Kooperationsnetz, das die Mobilität von Arbeitnehmern im Europäischen Wirtschaftsraum fördern soll; auch die Schweiz arbeitet hier mit. Zu den Partnern des Netzes gehören öffentliche Arbeitsverwaltungen, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände.“ 

Als Hauptziele werden definiert: 

  Information, Orientierung und Beratung für mobilitätswillige Arbeitskräfte über Arbeitsmöglichkeiten und Lebens- und Arbeitsbedingungen im europäischen Wirtschaftsraum;
  Unterstützung von Arbeitgebern bei der Rekrutierung von Arbeitskräften aus anderen Ländern; 
  spezielle Beratung und Hilfestellung für Arbeitskräfte und Arbeitgeber in grenzüberschreitenden Regionen.

Berufesbilder im Wandel der EU 

Soweit, so gut, denken viele und begeben sich vielleicht erfreut, sei es aus purer Neugier, sei es der wirklichen Stellenfindung wegen, unter der Rubrik
Stellenangebote auf die Suche nach Angeboten. 

Versuch eins: Stellenangebote für Journalistinnen und Journalisten in Deutschland, Großbritannien, Frankreich. Ergebnis: immerhin 17 freie Stellen in Deutschland, nichts in Frankreich, aber, oh Jobwunder, „193.997 passende Stellen“ in Großbritannien. Etwas dazu lernen müssen die Bewerber und Bewerberinnen vom Festland allerdings schon noch. Denn die „journalistischen“ Tätigkeiten reichen auf der Insel von „Haematology Clinical Nurse“ über „Meat Cold Store Operator“ bis „Housekeeping Supervisor“ und entsprechen damit nicht unbedingt dem, was üblicherweise der Journalisten täglich Broterwerb ist. 

Versuch zwei: ein Arbeitsplatz als Maurer in Deutschland, Frankreich, Großbritannien. Ergebnis: 468 freie Stellen in Deutschland, alle dem Berufsbild entsprechend. Frankreich muss passen, dort wird derzeit offensichtlich nicht gebaut. Aber Großbritannien meldet erfreulicherweise wieder über 10.000 freie Plätze. Allerdings, wir haben es ja eh gewusst, etwas merkwürdig scheinen die Briten auch hier zu sein. Denn dort sollen Maurer als „Speech and Language Therapist“, „Senior Care Assistants“ oder „Area Sales Manager“ werkeln. 

Versuch drei: Biotechniker und verwandte Berufe in Deutschland, Frankreich, Großbritannien. Ergebnis: 5.834 passende Stellen in Deutschland, leider wieder rein gar nichts in Frankreich zu machen und, es war zu ahnen, 120.991 passende Stellen im glücklichen Vereinigten Königreich. Die reichen dieses Mal vom "Senior Health Care Worker" über den "Mental Health Practitioner" bis zur "District Nursing Sister DNSN 304" und erfüllen damit in etwa die Suchvorgabe „und verwandte Berufe“. Wahrscheinlich liegt es daran, dass im Gegensatz zu den beiden ersten Anfragen nicht mit einem frei eingegebenen Suchwort, sondern mit einer vom Menü vorgegebenen Auswahlfunktion gesucht wurde. 

Fazit: Die Seite ist funktionell gut aufgebaut und die Datenbank schon jetzt mit einem beachtlichen Maß an Arbeitsangeboten gefüttert. Allerdings liegen noch gravierende Mängel vor, vor allem bei der sprachlichen Korrelation der Dateninhalte und Suchfunktionen. Fast symptomatisch für den augenblicklichen EU-Zustand. Um wirklich verwertbare Ergebnisse zu erhalten, wird bei der aktuellen Version von den Suchenden bereits im Vorfeld die Beherrschung aller EU-Landessprachen erwartet. Das kann nicht das Maß der Dinge sein, auch dann nicht, wenn bei den meisten Jobangeboten zu Recht zu verlangen ist, dass die Bewerberinnen und Bewerber im Falle einer Anstellung die jeweilige Landessprache zumindest rudimentär erlernen müssen. 

Wie gesagt: Die Idee ist uneingeschränkt gut. Damit die Verwirklichung dieser guten Idee aber auch eine Glanzleistung wird, kann man den für die Datenbank Verantwortlichen nur dasselbe empfehlen, was alle, die schon Glanzleistungen erbringen, beispielsweise die Berliner Philharmoniker, längst beherzigen: üben, immer fleißig üben.

 

  Artikel bei Telepolis >>>>>

 

                                             

© Christa Tamara Kaul