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Neue Jobs am Arbeitsmarkt

 

Dienstleistungskooperationen als Beschäftigungsmotor?

 

Von Christa Tamara Kaul  

Neue Arbeitsplätze werden dringend gebraucht. Im Dienstleistungsbereich können sie entstehen. Hier liegen erhebliche Potenziale brach, die zum Beschäftigungsgenerator taugen und auf ihre Nutzung warten. Gefordert sind strategische Innovationen wie Dienstleistungskooperationen, bei denen bisher getrennte Branchen und oft heterogene Einzeldienstleistungen verknüpft werden. So können neuartige, genau auf die sich ändernden Verbraucherwünsche abgestimmte Angebote geschaffen und neue Zielgruppen erschlossen werden.

 

Die Tertiärisierung*, also der volkswirtschaftliche Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft, hat den Arbeitsmarkt bereits deutlich verändert. In den letzten 30 Jahren stieg die Zahl der Erwerbstätigen um fast ein Fünftel - hauptsächlich im Dienstleistungssektor - und dennoch wuchs gleichzeitig die Arbeitslosigkeit. Und zwar vor allem deshalb, weil dem Bedarf des tertiären Sektors noch längst nicht ausreichend Rechnung getragen wird, sein Ausbau in Deutschland hinterher hinkt, so die These der Sozialwissenschaftler Björn Eisele und Andrea Helmer-Denzel von der Ruhr-Universität Bochum.

 

Bislang vernachlässigten Politik, Wirtschaft und auch Forschung nicht nur generell den Bereich von Dienstleistungsinnovationen, wie die Wissenschaftler in ihrer Untersuchung darlegen, sondern sie betrachten ihn dazu noch weitgehend selektiv, wobei vor allem die gut mess- und darstellbaren technischen Aspekte im Blickpunkt stehen. Dabei wird üblicherweise zwischen Produktinnovationen, überwiegend Marktneueinführungen, und Prozessinnovationen, zumeist Rationalisierungsprozessen, unterschieden.

 

Dem gegenüber lenken Eisele und Helmer-Denzel die Aufmerksamkeit auf die personenbezogenen Dienstleistungsinnovationen, deren verbrauchergerechter Bedienung weitgehend noch entsprechende Strukturen fehlen. Solche Strukturen können durch Kooperationen zwischen Dienstleistern verschiedener, bisher getrennter Geschäftsfelder mit oft heterogenen Angeboten erschlossen werden, die Einzeldienstleistungen zu zielgruppengenauen Angebotspaketen "aus einer Hand" bündeln. Ziel ist die Steigerung von Lebensqualität, ein "Produkt", dessen Bedeutung im Zuge des demographischen Wandels wesentlich zunehmen wird.

 

Ihre These stützen die Wissenschaftler auf Untersuchungen in der Fitness- und Wellnessbranche sowie bei den Mobilitätsdienstleistungen. Besonders augenfällig tritt die Notwendigkeit einer kooperativen Neuausrichtung im Bereich Gesundheit, Fitness und Wellness zu Tage, wo das "Produkt" Lebensqualität sowohl im eher jugendrelevanten Trendsektor "Fitness und Schönheit" als auch auf dem mehr medizinisch ausgerichteten Gebiet "Gesundheit und Wellness" von immer mehr Menschen verlangt wird. Besonders der Bedarf an gesundheitlichen Präventionsmaßnahmen, wie etwa Rückentraining oder Wohlfühlmassagen, wird deutlich zunehmen, da aufgrund der Alterung der Bevölkerung die Virulenz medizinischer Prävention eine immer größere Rolle spielen wird. Den Schätzungen zufolge kann die Zahl der Arbeitsplätze hier bis zum Jahr 2015 auf etwa 210.000 anwachsen, sich gegenüber heute also ungefähr verdoppeln.

 

Ähnliche Zuwächse sind bei den Mobilitätsdienstleistungen zu erwarten, sofern das Konzept des "intermodalen Verkehrs" Beachtung findet. Dabei geht es darum, den motorisierten Individualverkehr mit den verschiedenen Angeboten des öffentlichen Personennahverkehrs zu vernetzen. Über so genannte Mobilitätszentralen sollen dabei Informationen und Transportmöglichkeiten in bislang unbekannter Weise verkehrsträger-, verkehrsmittel- und unternehmensübergreifend zusammen gebracht und kundenorientiert bzw. siedlungsbezogen angeboten werden. 

 

 

*  Mit Tertiärisierung oder auch Tertiarisierung wird in der Wirtschaftwissenschaft die Wandlung einer Volkswirtschaft von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft bezeichnet. Dem liegt die "Drei-Sektoren-Hypothese" zugrunde, wonach eine Volkswirtschaft aus drei Sektoren besteht: dem primären Sektor von Land- und Forstwirtschaft und Fischerei, dem sekundären von Bergbau, Industrie und Handwerk und dem tertiären der Dienstleistungen. Im Rahmen der fortschreitenden Globalisierung verlagert sich der Schwerpunkt der Produktion vom historischen Agrarsektor über die Industrialisierung hin zur Dienstleistung. Durch die Tertiärisierung können neue Arbeitsplätze entstehen.

 

 

Quelle: Björn Eisele, Andrea Helmer-Denzel "Dienstleistungskooperationen - Katalysator für Beschäftigung?", WSI Mitteilungen 3/2005

 

 

  Ausführlicher Beitrag auf Anfrage >>> 

 

                                             

© Christa Tamara Kaul