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Je denglischer, desto Kompetenz

 

Warum die meisten Anglizismen

ganz miese Sprachverhunzer sind

 

Christa Tamara Kaul  

 

Anglizismen sind auf dem Vormarsch. Leider führt das selten zu sprachlicher Schönheit oder wachsendem Ausdrucksreichtum, sondern eher zu Kakophonie und Verarmung des Wortschatzes. Aber auch wenn die meisten Anglizismen überflüssig sind - einige verdienen dennoch die Integration.
 

DAS SCHREIBBUCH - Zweite Auflage 2009

 

 

 

 

 

Wer die Macht hat, hat das Sagen. Das wurde wohl niemals deutlicher demonstriert als durch das Imperium Romanum. Latein beherrschte über Jahrhunderte die offizielle Kommunikation fast der gesamten damals bekannten Welt. Damit beeinflusste es die Entwicklung der meisten europäischen Sprachen bis heute unverkennbar. Inzwischen allerdings ist der American Way of Life angetreten, die Wege in der realen wie in der virtuellen Welt zu weisen, und damit hat es das Englische – eigentlich richtiger das Angloamerikanische – zur neuen Lingua franca (d. h. der allgemein benutzten Verkehrssprache) unserer Zivilisation, also in gewisser Weise zum Latein der Neuzeit, gebracht. Was schon 1999 Juan Luis Cebrián in seinem Bericht „Im Netz – die hypnotisierte Gesellschaft“ an den Club of Rome feststellte und was auf absehbare Zeit auch so bleiben wird. Ob uns das gefällt oder nicht.

Und so haben wir den Salat: Anglizismen allüberall, die – sagen wir es einmal möglichst wertfrei – unsere wunderbare Sprache verändern. Viele nennen es verhunzen oder versauen. Manche fürchten sogar eine weitgehende Verdrängung des Deutschen sowie anderer Sprachen. Was zwar im Bereich der Hoch- und Literatursprache nach menschlichem Ermessen ausgeschlossen, aber im Bereich der Umgangssprache nicht völlig absurd ist. Schließlich hört sich das opening eines stinknormalen meetings in Deutschland immer öfter etwa so an: „Änd nau, Mister tschärmän, dier lädies änd schäntelmänn, ai ännaunz ju werri interesting prisentäschens änd ai wisch ju ä werri fruitfull diskaschen!“ Viele derer, die nun die keynote des first referent über sich ergehen lassen, fühlen sich dabei womöglich als participants eines enorm zukunftsweisenden events, das sicher in einer hippen location stattfindet. Es sei denn – man oder frau ist denglischresistent. Doch mit der Resistenz ist das so eine Sache.

Dass die Denglisch-Allergiker keine Phantomdebatte führen, zeigte Manfred Görlach in seinem 2001 erschienenen „Dictionary of European Anglicisms”. Anhand der Untersuchung von sechzehn europäischen Sprachen belegte er, dass Anglizismen im Deutschen, Italienischen, Französischen und Spanischen am stärksten verbreitet sind, und zwar in dieser Reihenfolge. Das heißt, dass das Deutsche von allen europäischen Sprachen tatsächlich am meisten betroffen ist. Unter dem Buchstaben A der angloamerikanischen Wortübernahmen entfielen prozentual 71,1 Prozent auf das Deutsche; 68 Prozent auf das Italienische; 63,9 Prozent auf das Französische und 55,6 Prozent auf das Spanische. Allerdings: Andere Länder mühen sich redlich, diese Marktführer einzuholen, weshalb vielleicht Russlands höchstes Gebäude Federation Tower getauft wurde.

Erwähnenswert ist dabei ein oft übersehener Aspekt: Angloamerikanische Begriffe sind in deutschen Texten ganz überwiegend nicht nur überflüssig und wenig sinnvoll, sondern werden zu bis zu 70 oder gar 100 Prozent fehlerhaft verwendet. Gefahren lauern überall: beim Geschlecht (Genus) und bei den passenden Artikeln ebenso wie bei der Beugung (Flexion) und Rechtschreibung (Orthographie). Zufallsgeneriertes Beispiel aus dem Diskussionsforum eines relativ niveauvollen Internet-Magazins: „Schon im frühen Alter benehmen sich die Kid's genauso wie jüngchen [sic!] in der Tierwelt.“ Der englische Begriff wird hier ebenso falsch (englische Genitivform bei kid statt schlichtem Plural-s des Nominativs) gebraucht wie das Wort „jüngchen“, was wohl „Junges“ bedeuten soll, und das ist recht typisch: Viele Denglisch-Anwender beherrschen in der Regel keine der beiden Sprachen.

 

Weiterlesen im Buch:

Spurensuche: Anglizismus ist nicht gleich Anglizismus


Leifsteil, Eikätscher änd Sehl: Vom Gefühl her ein gutes feeling

 

Anbiedern an Kids und Thirty-Something-People  –  aber bitte nicht in der Schule!

 

Die Maskierten  –  oder: Ein Zwiebelfisch allein macht noch kein gutes Deutsch

Die Kritik an der Kritik

Gar nichts Positives? Doch  –  es gibt sie, die sinnvollen Anglizismen

Die Macht der Sprache

 

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© Christa Tamara Kaul