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Christoph Türcke: Erregte Gesellschaft Philosophie der Sensation

2002 

328 Seiten, Leinen 

ISBN 3-406-49521-4

www.beck.de

 

 

 

 

 

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Ich erwecke Aufsehen, also bin ich

 

Christoph Türcke

Erregte Gesellschaft  - Philosophie der Sensation

 

Von Christa Tamara Kaul

 

Sensation bedeutete ursprünglich nichts anderes als "Wahrnehmung". Heute versteht man unter einer Sensation das, was die Wahrnehmung magnetisch auf sich zieht: das Spektakuläre. Was kein Aufsehen zu erregen vermag, wird kaum noch wahrgenommen. Esse est percipi - Sein ist Wahrgenommenwerden. Der Kampf ums Dasein wird in der Sensationsgesellschaft zum Kampf um Wahrnehmung. Christoph Türcke verfolgt in seinem grundlegenden philosophischen Werk den Wandel der Sensation zur Anschauungsform des modernen Menschen, zum Verhaltensmuster, zum Unruheherd einer ganzen Gesellschaft.

 

Ausführliche Rezension auf Anfrage

 

Textauszug: Es hat sich gezeigt; Sensation ist ein ganzer Komplex. Zunächst etwas Subjektives: Wahrnehmung; dann deren Steigerung: Wahrnehmung des Aufsehenerregenden; dann etwas Objektives: das Aufsehenerregende selbst; und schließlich die wechselseitige Durchdringung und Verstärkung von Subjektivem und Objektivem. Beide sind Momente eines umfassenden Sendezwangs, der ebenso dafür sorgt, dass sich der ökonomische Kampf ums Dasein immer mehr zu einem Kampf um Wahrnehmung ästhetisiert, wie dafür, dass "das Aufsehenerregende" zur vorrangigen Bedeutung von Sensation geworden ist und dessen Wahrnehmung zur Wahrnehmung überhaupt. Der Extremfall von Sensation tendiert zu ihrem Normalfall; was kein Aufsehen erregt, wird nicht wahrgenommen. Und Sensation wird zur Lebensnotwendigkeit. Man muss sie machen und sie haben, wenn man "da" sein, im wörtlichen wie im übertragenden Sinn eine Existenz haben will. Der Sendezwang ist einerseits Marktzwang; die technologisch avancierteste Form des alten kapitalistischen Konkurrenzkampfs, die all dessen unerledigte Hypotheken, seien Expansionszwang, seine Ausbeutungs- und Ausgrenzungsverhältnisse mitschleppt und lediglich umdefiniert und umschuldet. Andererseits leistet er eine Nivellierungs- und Übersetzungsarbeit, die darüber hinausragt.  ...............................

 

Als subjektiv-objektive Verwicklung von Macht- und Wahrnehmungsverhältnissen ist Sensation sowohl Herrschaftsform als auch Wahrnehmungsform. Keine Wahrnehmungsform ist vom Himmel gefallen, keine freiwillig entstanden. Aber jede ragt über die sozialen Verhältnisse, die sich in ihr abdrücken, auch hinaus. Sie neutralisiert sie zu allgemeinen Sozialisationsbedingungen. So wächst auch der Sensationskomplex denen an, die unter ihm aufwachsen. Niemand kenn mehr anders als unter seinen Bedingungen wahrnehmen und sich ausdrücken: keine Politik, keine Kunst, keine Wissenschaft. Auch die hier gebotene Reflexion untersteht ihm, tritt aber zum Beweis dafür an, dass ihre Wahrnehmungsbedingungen nicht ihre Denkgrenzen sind.    <<< zurück

 

Autorenportrait: Christoph Türcke, Jahrgang 1948, ist  Professor für Philosophie an der Hochschule  für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen gehören "Der tolle Mensch. Nietzsche und er Wahnsinn der Vernunft", 2000, "Sexus und Geist. Philosophie im Geschlechterkampf", 2001, sowie "Rücksicht aufs Kommende. Altlasten der neuen Weltordnung", 1998.   <<< zurück

 

 

Christoph Türcke: Erregte Gesellschaft - Philosophie der Sensation, 2002, 328 Seiten, Leinen, ISBN 3-406-49521-4

www.beck.de

 

 

 

                                      

© Christa Tamara Kaul