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Akif Pirincci:

Das Duell

 Roman. 2002

 Eichborn Verlag, Frankfurt am Main, gebunden, ISBN 3-8218-0865-9 

 

 

  

 

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Hart, aber pelzig: 

Samtpfotendetektiv Francis zurück in der Arena

 

Akif Pirincci: Das Duell

 

Von Christa Tamara Kaul

 

 

Der Auftritt ist wahrhaft edel, von makelloser Schönheit. Farblich delikat und formal sophisticated: mit einem vollkommneren Einband hätte sich die vierte Folge von Akif Pirinccis Felidae-Büchern kaum präsentieren können.

 

Doch Äußerlichkeiten können täuschen, sollen manchmal bewusst von inneren, inhaltlichen Mängeln ablenken, irreführen. Kann der oberschlaue Detektiv-Kater Francis, zwar eine beeindruckende Erscheinung, aber aufgrund seiner schrecklichen Vergangenheit nicht gerade eine strahlende Schönheit, die Erwartungen erfüllen, die sowohl durch diesen noblen Auftritt als auch durch seine früheren Großtaten genährt werden?

 

Francis, inzwischen in die Jahre gekommen, in denen auch ein weitbekannter geistreicher Draufgänger gern drinnen auf der warmen Heizung liegt und den am Fenster vorbeitreibenden Schneeflocken nachsinniert, muss sich dieses Mal mit einem jungen, arroganten, aber (fast) ebenbürtigen Rivalen auseinandersetzen. Plötzlich taucht dieser anscheinend auch noch kluge Schönling in seinem Revier auf und wird von allen Katzendamen angehimmelt. Das Duell nimmt seinen Lauf.

 

Gleichzeitig kommt Francis  - wiederum unfreiwillig - haarsträubenden Verbrechen auf die Spur. Wahnwitzige Wissenschaftler experimentieren mit biotechnologischen Verfahren, um Chimären zu züchten. Da ist das Grauen vorprogrammiert, wenn dem gewissenlosen Treiben nicht Einhalt geboten wird. Doch auf Francis ist Verlass, auch diesmal lassen ihn sein höchst entwickelter Scharfsinn und die seiner Spezies zuzuordnende eigenwillige Methodik nicht im Stich. So bekommt er schließlich das Böse doch wieder in seinen zupackenden Tatzengriff, seinen Rivalen auch, vermittelt dabei der lesenden Spezies homo sapiens so en passant eine ganze Menge tiefsinniger Denkanstöße und kann sich dann endlich wieder auf die warme Fensterbank oder den mächtigen Bauch seines 'Herrchens' und Dosenöffners zurückziehen.

 

Und so wie bisweilen "der ewig graue Himmel vergeblich gegen diesen warmen Gleichklang von Kater und 'Herrchen' ankämpft" (siehe Textauszug unten), so kämpft der Leser dagegen an, das Buch vor dem Ende der Geschichte aus der Hand legen zu müssen, was ja manchmal auch notwendig sein kann. Trotz der Schilderung widerlichster Verbrechen: Als Lesevergnügen pur ist das Buch allen zu empfehlen, außer bekennenden Katzenhassern. Oder vielleicht gerade denen  -  als Konvertierungshilfe!

 

Ausführliche Rezension auf Anfrage!

 

 

Textauszug: Apropos Gustav: ein Mann, bei dessen Anblick einen leicht das Gefühl beschleicht, man schaue ihm beim Absterben seiner Hirnzellen zu. Obwohl eine Koryphäe auf dem Gebiet des ägyptischen Götterwesens, hat er es, von temporären Erfolgen abgesehen, bis heute nicht geschafft, einen einträglichen Platz am Trog des Wissenschaftsbetriebs zu ergattern. Zeitweilig hielt er uns mit abgeschlossenen Romanen für Frauenzeitschriften (die mit der Goldkante) über Wasser. ...... Er nennt sich gerne mein "Herrchen", wogegen ich eigentlich nichts einzuwenden habe, solange er mir den Lebensstil Ludwigs XIV. gewährleistet. Was mich eher irritiert, ist die Verniedlichungsform an sich. Denn einer sechsundfünfzigjährigen, fast glatzköpfigen, massiv bebrillten Sumo-Ringer-Erscheinung ein "-chen" anzuhängen, ist sowohl physikalisch als auch stilistisch betrachtet ein Missgriff. Und was das "Herr" betrifft - aber lassen wir das.

 

Und doch gibt es da etwas zwischen uns. Vielleicht nicht gerade ein Band der Liebe, aber sagen wir mal einen Bindfaden des Respekts. Kein einziger Morgen, an dem ich aus dem Schlaf erwache, in die Küche trippele und meinen Napf leer finde. Und nie muss ich die Streicheleinheiten missen, wenn mich die üblichen vorfrühlingsbedingten Stimmungstiefs überfallen: ich auf seinem grotesk aufgeblähten Bauch liegend, die Augen geschlossen voller Wohlbehagen, er in einen Schinken über irgendwelche Ausgrabungsabenteuer vertieft, während draußen der ewig graue Himmel vergeblich gegen diesen warmen Gleichklang ankämpft. 

 

Autorenportrait: Akif Pirinçci wurde 1959 in Istanbul geboren und wuchs in Deutschland, und zwar in der Eifel, auf. 1974 erschien sein erster professioneller Kurzfilm (Bayerischer Rundfunk); 1976 gewann er den 1. Preis bei einem Hörspielwettbewerb des Hessischen Rundfunks. Von 1978 bis 1981 studierte Akif Pirinçci an der Wiener Film- und Fernseh-Akademie. Später arbeitete er als Drehbuchautor u.a. für die "Neue Constantin". Heute lebt er als freier Autor in Bonn.

 

Mit seinen Felidae-Romanen, inzwischen sind es einschließlich des neuen vier, avancierte Pirincci zum Kult-Autor. Und das längst nicht nur bei chronischen Katzen- oder Krimi-Fans. Gleich mit seinem ersten Buch "Felidae" eroberte er - oder sollte man besser sagen: sein samtpfotiger Klugscheißer Francis -  die Leser im Sturm. 1990 erhielt er dafür den Krimipreis "Mimi" in den Kategorien "bestes Buch" und "bestes Debüt". Seine Romane sind bislang u.a. in Großbritannien, Frankreich, den USA, Italien, Japan, Holland und der Türkei erschienen und erzielten weltweit Millionenauflagen.  >>zurück zum Anfang

 

 

Akif Pirincci: Das Duell. Roman. 2002, Eichborn Verlag, Frankfurt am Main, gebunden, ISBN 3-8218-0865-9


www.eichborn.de

 

 

 

© Christa Tamara Kaul