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Chinua Achebe: Okonkwo oder Das Alte stürzt

Schwarzafrikanische Literatur, herausgegeben von Dagmar Hensler, aus dem Englischen von Evelyn Petzold
Edition Suhrkamp 1138, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1982

 

 

  

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Chinua Achebe: Okonkwo oder Das Alte stürzt

 

Die verkannte Sprache Afrikas zu Gehör gebracht

 

Von Christa Tamara Kaul

 

Frieden für den krisengeschüttelten Kontinent Afrika – das ist die Vision des nigerianischen Schriftstellers Chinua Achebe. In seinen Romanen beschreibt er die Narben des Kolonialismus und die betrogenen Hoffnungen der Unabhängigkeit. Weltweit gilt Chinua Achebe als "Vater der modernen afrikanischen Literatur". Er ist aber nicht nur der "große Lehrer", der Afrikanern klar macht, welche Probleme ihren Kontinent heimsuchen, sondern wohl auch der bedeutendste afrikanische Autor der Neuzeit, der der Welt erklärt und erzählt, was Afrika bewegt.

 

Chinua Achebe wurde vom Stiftungsrat für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels zum Träger des Preises 2002 gewählt. Der Friedenspreis, der mit 15.000 Euro dotiert ist, wurde ihm während der Frankfurter Buchmesse am 13. Oktober 2002 in der Paulskirche in Frankfurt am Main überreicht. 

 

In der Begründung des Stiftungsrats heißt es: „Der Buchhandel ehrt mit Chinua Achebe eine der kräftigsten und zugleich subtilsten Stimmen Afrikas in der Literatur des 20. Jahrhunderts, einen unnachgiebigen Lehrer und Moralisten und vor allem einen großen Erzähler. Er gilt unangefochten als Begründer der authentischen englischsprachigen Romantradition Westafrikas. Sein Stil ist stark geprägt durch die orale Erzählkunst seines Volkes, der er damit ein Denkmal setzt. Achebes zentrales Thema ist, Frieden in Regionen herzustellen, die einem permanenten Kulturkonflikt ausgesetzt sind.

 

Ausführliche Rezension auf Anfrage!

 

 

Textauszug: Die letzten vereinzelten Regenfälle des Jahres gingen nieder. Genau zu diesem Zeitpunkt wurde die rote Erde bearbeitet, die man zum Mauerbau verwendete. Das konnte nicht eher geschehen, denn der starke Regen hätte die geknetete Erde einfach weggespült, und auch später nicht getan werden, denn mit dem Ende der Regenzeit würde die Ernte beginnen und danach die Trockenzeit einsetzen. 

 

Dies würde nun Okonkwos letzte Erntezeit in Mbanta sein. Die sieben vergeudeten und so mühseligen Jahre schleppten sich nun endlich ihrem Ende zu. Er hatte es zwar im Lande seiner Mutter zu Ansehen und Erfolg gebracht, doch Okonkwo wusste, dass er es in Umuofia, dem tapferen und kriegerischen Land seiner Väter, noch viel weiter gebracht haben würde. In diesen sieben Jahren hätte er die Leiter des Erfolges bis zur höchstmöglichen Stufe erklommen, und so beklagte er jeden Tag seiner Verbannung.  .................................

 

Sobald das letzte Jahr seiner Verbannung anbrach, schickte Okonkwo seinem Freund Obierika Geld, damit er auf seinem alten Grund und Boden zwei neue Häuser errichten lasse. Darin wollten er und seine Familie leben, bis weitere Häuser und auch die Außenmauern wieder aufgebaut waren. Denn obi und Mauern seines Hofes musste ein Mann entweder selbst bauen oder von seinem Vater erben.

 

Autorenportrait: Chinua Achebe, geboren am 15. November 1930 im ostnigerianischen Ogidi, gehört dem Volk der Igbo an, einer der drei großen Ethnien im Vielvölkerstaat Nigeria. Er besuchte die lokale Missionsschule und dann die Sekundarschule Government College in Umahia. Nach dem Studium in Ibadan arbeitete er beim Rundfunk Nigerias, wo er 1961 zum Direktor des Auslandsdienstes ernannt wurde. 1966 legte er das Amt nach den Massakern an den Igbo nieder; während des Biafra-Krieges (1967-1970) war er Sonderbotschafter Biafras in Europa und den USA. Nach dem Ende des Krieges lehrte er an der nigerianischen Universität Nsukka und in den USA. Lange Jahre war Achebe Berater für die legendäre „African Writers Series“ des Heinemann Verlags, die die Literaturen Afrikas in die Welt hinaus brachte. 1971 gründete er die Literaturzeitschrift Okike, eine Plattform besonders für jüngere Autorinnen und Autoren und kritische Reflexion über die gesellschaftliche Rolle von Literatur. Seit einem schweren Verkehrsunfall im Jahre 1990 ist Achebe auf einen Rollstuhl angewiesen; er lebt in den USA. Seine Aufenthalte in der Heimat sind selten geworden, weil er dort adäquate gesundheitliche Versorgung kaum gewährleistet sieht. Am 13. Oktober 2002 wurde er in der Frankfurter Paulskirche mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.  

 


 

Chinua Achebe: Okonkwo oder Das Alte stürzt

Schwarzafrikanische Literatur, herausgegeben von Dagmar Hensler, aus dem Englischen von Evelyn Petzold
Edition Suhrkamp 1138, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1982

www.suhrkamp.de/ 

 

 

Weitere in Deutsch erschienene Titel Chinua Achebes:

 

Ein Bild von Afrika 

Rassismus in Conrads „Herz der Finsternis“
Alexander Verlag, Berlin 2000

Der Pfeil Gottes
Hammer Verlag, Wuppertal 1994

Zwölf Gedichte
(Sonderdruck zu Chinua Achebes 60. Geburtstag)
Zeichnungen von Obiora Udechukwu
Herausgegeben von Ulli Beier und Heinrich Bergstresser,
in Zusammenarbeit mit dem Iwalewa-Haus der Universität Bayreuth
Bumerang-Verlag, Bayreuth 1990

 

 

© Christa Tamara Kaul